Qatar – 2011

MIAFirst stop: Bahrain.

Do you know how everything feels different when you get off a plane in another country? My kids really didn’t care much, but I like to observe my surroundings secretly. I saw men dressed in long shirts of either totally white colour or with decent stripes in a creamy tone. Most of them would wear head coverings of different styles and colours. Women dressed in black abbayas, often with pretty embroidery in bright colours around the sleeve hems, at the ends of the scarves or down the seam lines. It actually was totally what I had expected, as I had prepared myself for this trip, but still very new. At this point somehow, I remembered my German family asking me how I, a Western woman, could be flying there alone.

Erster Halt: Bahrain.

Kennt ihr das, wenn man in einem fremden Land das Flugzeug verlässt und sich alles so anders anfühlt? Meinen Kindern ist es nicht so sehr aufgefallen, aber ich sehe mir dann gern heimlich die Umgebung an und die Menschen um mich herum. Ich sah Männer in entweder ganz weißen, oder dezent gestreiften, cremefarbenen, langen Gewändern. Die meisten von ihnen hatten verschiedene Tücher bzw. Turbane auf dem Kopf drapiert. Die Frauen hingegen trugen diese langen, schwarzen Gewänder, die man Abbaya nennt, und die oft mit hübschen Stickereien entlang der Nahtlinien, den Säumen oder auf den Kopftüchern verziert sind. So hatte ich mir das eigentlich genau vorgestellt, da ich mich vorher informiert hatte, wie man hier so lebt; natürlich war es trotzdem irgendwie anders. In diesem Moment erinnerte ich mich daran, wie meine deutsche Familie mich fragte, wie ich, eine westliche Frau, alleine dorthin fliegen könne…

Arrival in Qatar.

We had to wait in a very long line before we could request our tourist visas. The kids were getting crazy, the little one tried to run behind the designated arrival lanes and the security personnel threw some grim looks at me. When we finally held our visas in our hands and were permitted to pass customs, my oldest cousin and his mother were waiting there for us. It was only a couple of days after my first call with them that I had learnt that my dear uncle, who had once invited me to live with him when I was a child, had also passed away some five or six years after my father had died. Hence, the family needed to move to another house, changed their phone number and since they did not have my current number, no one was able to keep me informed about it. That was the point at which we lost contact.

Ankunft in Katar.

Wir mussten in einer langen Schlange warten, bevor wir an der Reihe waren, die Eintrittsvisa zu beantragen. Die Kinder wurden schon ungeduldig, der Kleine versuchte ständig, hinter die Absperrungen zu flüchten und das Sicherheitspersonal warf mir genervte Blicke zu. Als wir dann endlich unser Visum in den Händen hielten und den Zoll passieren konnten, standen dort mein ältester Cousin und seine Mutter und warteten auf uns. Leider hatte ich erst kurz nach unserem ersten Telefongespräch erfahren, dass mein Onkel, der mich mal eingeladen hatte, bei seiner Familie zu leben, bereits fünf oder sechs Jahre nach dem Tod meines Vaters ebenfalls verstorben war. Die Familie musste daraufhin umziehen, deren Telefonnummer hatte sich geändert und da ich ebenfalls umgezogen war, hatten wir unseren Kontakt zueinander verloren.

Doha_night
The mosque at Souq Waqif – Die Moschee im Souk Wagif

My cousin, much like almost all the other men around here, was dressed in a bright-white long shirt and wore their traditional head covering with the black braids draped around it to keep it in place. My aunt, that’s how I call my uncle’s wife, wore the abbaya, the veil and to my surprise an extra mask to keep her face totally covered. I must admit that I felt scared. ‘No, now.’ I said to myself. ‘I’m going to swallow down my fear and remind myself that this is family.’

Mein Cousin war wie die anderen Männer in einem weißen, langen Hemd gekleidet und trug die für Katar traditionelle Kopfbedeckung: ein weißes, langes, ein- oder zweimal über den Kopf geschlagenes Tuch mit einem schwarzen Gurt obendrauf. Aber meine Tante, wie ich die Frau meines Onkels nenne, trug ihre Abbaya, ein schwarzes Koptuch, und zu meiner Überraschung auch eine Gesichtsmaske, um ihr Gesicht komplett zu verhüllen. Ich muss zugeben, dass mir etwas mulmig zumute war, als ich das sah.
“Nein”, sagte ich zu mir selbst. “Ich schlucke meine Furcht jetzt herunter und denke jetzt nur daran, dass das meine Familie ist.”

My aunt spread her arms for the kids to run towards her. When I told them “this is our aunt”, the little one ran off to her immediately, let himself be taken up and hugged and kissed, followed by the big one. They weren’t the least bit afraid.

Meine Tante breitete ihre Arme aus, damit die Kinder zu ihr liefen. Als ich ihnen sagte: “Das ist unsere Tante”, rannte der Kleine gleich zu ihr los, ließ sich von ihr hochnehmen und drücken und knuddeln, was ihm dann der Große gleich tat. Sie hatten überhaupt keine Angst.

When I approached my aunt, she hugged and kissed me just the same as my children. She had tears in her dark black eyes and I now noticed that she was not the youngest anymore. It felt good to be hugged by her. Just recently I read an article about an old lady in India to whom people travel from all over the world just to get a hug. I got mine here for free 😉

Als ich meiner Tante näher kam, umarmte und drückte sie mich genauso, wie meine Kinder. Sie hatte Tränen in ihren tiefschwarzen Augen und ich erkannte jetzt, dass sie nicht mehr die Jüngste war. Es fühlte sich gut an, von ihr geknuddelt zu werden. Ich hatte gerade einen Artikel über eine ältere Dame in Indien gelesen, zu der die Leute aus aller Welt pilgern, nur um von ihr umarmt zu werden. Hier bekam ich meine Umarmung kostenlos 😉

My oldest cousin smiled a big smile and welcomed me to the family. It is common to say “ahlan wa sahlan” in such a case and I replied the same. Which was kind of funny, because it was me who visited them, not the other way around, but why not welcome them to my family, too 🙂 Then they told me how much my uncle had always spoken of me and that until the very last day, he had always reminded them to never forget me. Unfortunately, hugging a male person you are not directly related to, like your father, son or uncle, is a no-go, so I could not do that.

Mein ältester Cousin trug ein breites Lächeln im Gesicht und hieß mich in der Familie willkommen. Es ist dann üblich, “ahlan wa sahlan” zu sagen, und ich gab denselben Gruß zurück. Das war lustig, denn eigentlich hatte ich ja sie besucht und nicht umgekehrt, aber warum sollte ich sie nicht auch in meiner Familie willkommen heißen? 🙂 Dann erzählten sie mir, wie oft mein Onkel über mich gesprochen hatte und dass er, bis zum letzten Tag, jeden immer wieder daran erinnert hatte, mich nicht zu vergessen. Leider darf man einen Mann, der nicht direkt mit dir verwandt ist, also z.B. nicht dein Vater, Onkel oder Sohn ist, nicht umarmen, deshalb konnte ich das hier nicht tun.

MIA
Museum of Islamic Arts – Museum der islamischen Künste

When we drove to my family’s house, I took a look at the colours around us: The main colour is actually sand, as you can imagine. The next most visible colours are black and white, as in people’s clothes. Not everywhere, but every once in a while, some green spots came up. I learnt later that Qatar does not suffer water shortage and is able to keep some dedicated spaces quite fruitful, like parks, etc.

Als wir zum Haus meiner Familie fuhren, betrachtete ich die Farben um uns herum: Die Hauptfarbe ist “sand”, wie man sich vielleicht vorstellen kann. Die danach am Häufigsten vorkommenden Farben sind schwarz und weiß, wie die Kleidung der Einheimischen. Nicht überall, aber an vielen Orten gab es auch grüne Plätze. Ich las später davon, dass in Katar keine Wasserknappheit herrscht, wie in anderen südlichen Ländern und es kann somit einige Flächen ziemlich fruchtbar halten, wie z.B. öffentliche Parks, usw.

skyline
Skyline

The temperature was a mixture between really hot and icey cold. Yes, you heard right. Icey cold as in the air conditioning inside cars, houses and shopping malls, etc. Really hot, like when you are standing outside of the house or the car – which doesn’t actually happen often, so during my stay, I craved the hot actually more than the cold.

Die Temperatur war eine Mischung aus richtig heiß und eiskalt. Ja, wirklich. Eiskalt, wenn man die Klimaanlagen in den Autos, Häusern, Einkaufszentren abbekommt. Richtig heiß, wenn man einen Fuß nach draußen setzt, was nicht so oft passiert, weil man meist irgendwo “drin” ist. Daher habe ich mich mehr nach der Hitze gesehnt, als nach der Kälte.

Our house is your house.

Finally I got to see the whole family when we arrived at the house. My three female cousins were standing there, dressed in cute house dresses, but the guys all wore their “good shirts” – just for us. The girls and I hugged each other as if we had known each other for years. Funny how sometimes you look into a person’s eyes and you can see that he or she has a good soul.

Unser Haus ist dein Haus.

Endlich bekam ich die ganze Familie zu sehen. Meine drei Cousinen warteten dort schon auf mich, trugen süße Hauskleidchen, aber die anderen Jungs trugen alle ihre “besten” Hemden – nur für uns. Die Mädels und ich umarmten uns so, als hätten wir uns schon immer gekannt. Ist es nicht schön, wie man manchmal jemandem in die Augen sieht und sofort bemerkt, dass da eine Verbindung besteht, und dass die Person eine gute Seele hat?

cousin_m  cousins_f

 

 

 

I saw lots of different faces and noticed that I had expected something completely different. I think you could say that I had expected something strange to happen that would make me feel bad. Something that would make me want the time to fly by more quickly. But that didn’t happen. Instead, there were these guys standing in front of me with looks in their eyes and smiles that told me that I had actually come to a fun place. And I did have a lot of fun. I can’t tell you everything at this point, as there would not be enough space here to describe it all, but from time to time I will write down some additional notes.

Kid_on_car
Like when they let kids play on cars

Ich habe viele verschiedene Gesichter gesehen und irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich doch etwas ganz anderes erwartet hatte. Ich glaube, ich hatte erwartet, dass es mir an irgendeiner Stelle nicht mehr gefallen würde, hier zu sein. Dass irgendetwas geschehen würde, das mir das Gefühl gibt, zuhause besser aufgehoben zu sein. Aber es kam nicht so. Stattdessen traf ich hier nun auf diese Jungs, die mich alle so lieb und erfreut ansahen und anlächelten, dass ich wusste, ich bin hier gut aufgehoben. Es wird mir Spaß machen. Und so war es dann auch. Ich kann an dieser Stelle gar nicht all die lustigen Situationen aufschreiben, die ich erlebt habe, aber ich werde bestimmt ab und an etwas aufschreiben.

Every night the girls, my youngest cousin (the others would usually have to work the next day), my kids and I would sit together, drink tea until very late in the night, talk and teach each other the other one’s language. Sometimes during the days and evenings they would go away to their rooms to pray, but they would never leave me completely alone. On a side note: No one ever asked me to change my religious habits either.

Jede Nacht blieben die Mädels, der jüngste Cousin, der noch nicht arbeitete, meine Kinder und ich, sehr lange auf, tranken Tee, unterhielten uns und brachten uns gegenseitig unsere Sprachen bei. Manchmal stand der ein oder andere auf, zog sich zum beten in sein Zimmer zurück, aber nie ließen sie mich alleine. Nur so nebenbei: Ich bin nie gebeten oder aufgefordert worden, meine religiöse Einstellung zu ändern.

arabic_coffee
Arabic coffee – arabischer Kaffee
Eating with our hands
Eating with our hands – Essen mit unseren Händen

One of my female cousins slept in front of our room every night, just in case I got up and needed something. I felt cared for. I felt I had not arrived at some strange place, but a place I could call a home.

A couple of days later, my oldest cousin accompanied my kids and me to Shiraz, Iran. That’s where we would meet another part of my huge, lovely family.

I think, next time, when someone comes to my house, I won’t just ask them if they want to eat or drink something; I will just place food on the table and make everyone feel like they’re at home.

Eine meiner Cousinen schlief jede Nacht vor unserem Zimmer, damit wir, falls wir nachts wach würden und etwas bräuchten, sofort jemand da sei. Ich hatte mich noch nie so wohl behütet gefühlt, wie hier. Darüber hinaus fühlte ich mich auch nicht mehr so, als sei ich in die Fremde gereist, sondern mehr wie zuhause.

Ein paar Tage später begleitete uns mein ältester Cousin nach Shiraz, einer Stadt im Iran. Dort würden wir dann den anderen Teil meiner lieben, riesigen Familie treffen.

Wenn ihr gern wissen möchtet, wie es weitergeht, abonniert einfach meinen Blog, dann erhaltet ihr immer eine Nachricht, wenn es Neuigkeiten gibt 🙂

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *